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Leitbild soziale Charta "Fair Economy"
Viele biologisch-dynamische Bäuerinnen und Bauern sowie Verarbeiter und Händler leben die nachfolgend formulierten Leitsätze. Es ist für sie Alltag und ganz selbstverständlich.
Bedingt durch die heutige Arbeitsteilung verlangt eine zeitgemässe Kommunikation, das Tun in Worte zu fassen. Bei Demeter Schweiz ist dieser Arbeits- und Bewusstseinsprozess zum Leitbild soziale Charta seit August 2005 im Gange.


Das Leitbild ist keine Richtlinie im herkömmlichen Sinne, die Inhalte können nicht mit einer Checklist geprüft werden. Das Leitbild soll Anregung für eine aktive, lebendige Kultur in der Zusammenarbeit sein. Die soziale Charta, der Name sagt es, liegt im Bereich des Sozialen. Dieses verändert sich laufend, jede Begegnung erweitert den Blick. Das Soziale in diesen ständigen Veränderungen im Gleichgewicht zu halten, ist eine Kunst.
Dieses Leitbild möchte die Menschen vom Produzenten bis zum Konsumenten ansprechen. Die soziale Charta / Fair Economy umfasst soziale, wirtschaftliche und kulturelle Gesichtspunkte auf allen Stufen der Wertschöpfungskette.
Die 7 Punkte zeigen das Umfeld des Wirtschaftlichen. Im Wirtschaftlichen liegt der Impuls der Brüderlichkeit, wir bewegen uns im Sozialen und bilden Gemeinschaften. Im Wirtschaftlichen tätig zu sein heisst, genaue Kenntnisse einer Sache zu haben, Bedürfnisse der Partner und Kunden wahrzunehmen, aus innerer Verpflichtung Vereinbarungen einzuhalten. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind nie statisch, sie verändern sich laufend, die Zusammenarbeit muss sich an der Realität messen und sich den Veränderungen anpassen.
Die Lebenshaltung, auf der die biologisch-dynamische Landwirtschaft basiert, ist offen gegenüber den Bedürfnissen unserer Partner (Mitarbeitende, Händler, Konsumenten). Es kann uns Anstoss geben, in phantasievollem Handeln Formen des Austausches und der Zusammenarbeit zu entwickeln. Offener Gedankenaustausch schafft gegenseitiges Vertrauen, welches bei der Bewältigung von Problemen nötig ist. Demeter Höfe sind auch Orte der Begegnung, der Kultur. Sie liefern nicht nur hochwertige Nahrungsmittel, sie bieten auch Information unf Kultur, sind interessant und ziehen interessierte Kundschaft an.
Leitsatz 1
Die Demeter-Partner sehen in der Pflege, Erweiterung und Vertiefung des Impulses zur biologisch-dynamischen Landwirtschaftsweise die Grundlage ihrer Zusammenarbeit.


Einmal ergriffen, begleitet uns der biologisch-dynamische Impuls für den Rest unseres Lebens. Er wird zum Bedürfnis, lässt aber den anderen in seiner Haltung frei. Wer den Impuls lebt, strahlt seine Wirkung aus.
Leitsatz 2
Die Demeter-Partner verpflichten sich, diejenigen Vereinbarungen einzuhalten und zur Geltung zu bringen, die in den zuständigen Organen der Demeter-Bewegung vereinbart und gegenüber Dritten verbindlich erklärt werden.


Richtlinien stehen im Rechtsleben und sind für alle gleichermassen verbindlich. Sie geben den Konsumenten Verlässlichkeit und schaffen Vertrauen. Diese gleiche Rechtsgrundlage für alle schafft aber auch unter den Bauern und in der Beziehung mit Handel und Verarbeitung Vertrauen.
Leitsatz 3
Die Demeter-Partner sind bestrebt, neue assoziative Formen der wirt-schaftlichen Zusammenarbeit zu entwickeln, in denen der Interessenausgleich zwischen Produktion, Handel und Konsumtion angestrebt werden kann. Es ist besonderer Wert darauf zu legen, dass die Konsumseite, d. h. die Verbraucherschaft aktiv und verantwortlich in diese Pro-zesse einbezogen wird.


Für die Umsetzung dieses Punktes braucht es gestaltende Kraft von aussen. Der Demeter-Verband hat diese Aufgabe übernommen, erstmals mit den Marktge-sprächen für das Lagergemüse.

In diesen Gesprächen ist allen Partnern Raum, aber auch Schutz zu geben.

Im Zentrum steht die Bedürfnisfrage der Partner (dazu gehört auch die Preisfrage). Die Verpflichtungen müssen sich den sich ändernden Verhältnissen anpassen können, deshalb sollten die Einzelheiten nicht auf zu lange Zeit festgeschrieben werden.

Die Arbeit an diesen Fragen ist ungeheuer zeit- und arbeitsaufwendig. Die Umsetzung gelingt nur mit Selbstlosigkeit. Sobald einer für sich einen Vorteil sucht, zerfällt das „Kunstwerk“.
Leitsatz 4
Die Demeter-Partner nehmen aktiv an solchen regionalen und gegebenenfalls überregionalen Zusammenarbeitsforen teil, um ein gemeinsames Bewusstsein der unterschiedlichen Prozesse der gesamten Wertschöpfungskette zu entwickeln und daraus vernünftige und solidarische Wirtschaftsverhältnisse zu gestalten.


Voraussetzung für den Einstieg in diese Arbeit und fürs Gelingen ist die Begeisterung, die Zuwendung, die innere Wärme für die Sache und offene Gespräche. Ebenso wichtig ist, dass wir von den Bedürfnissen der anderen ausgehen.

Ein gut ausgebautes Netzwerk erleichtert die Kommunikation und hilft in der Umsetzung. Der Verein und der Verband sollten diese Entwicklung im Sinne eines Moderators begleiten.
Leitsatz 5
Die Demeter-Partner halten die gültigen sozialstaatlichen Regeln ein. Sie arbeiten mit den regional tätigen Organisationen zusammen. Sie wollen aktiv dazu beitragen, dass die Lebens- und Arbeitsverhältnisse menschenwürdig sind und dass die Mitarbeiter in ihren Fähigkeiten gefördert werden.


Die Einhaltung der sozialstaatlichen Regeln ist selbstverständlich. Die Förderung der Mitarbeiter richtet sich zum einen nach den Bedürfnissen des Mitarbeiters, zum andern nach den Bedürfnissen des Betriebs. Das Menschenbild, wie es Rudolf Steiner entworfen hat, gibt viele Anregungen. Die eigene Person sollte dabei nicht vergessen werden.

Es geht darum, die Individualität zu fördern. Dafür müssen wir den nötigen Raum schaffen, aber bei unseren Mitarbeitenden auch die Ausfüllung dieses Raumes einfordern.
Leitsatz 6
Die Demeter-Partner nehmen aktiv am kulturellen und sozialen Umfeld teil.


Kultur ist die Wiege des sozialen Verständnisses, des sozialen Umgangs miteinander. Hier ist nicht passive Teilnahme, sondern phantasievolle Gestaltung gemeint. Kleine Schritte sind ein Anfang. Es braucht – abgestimmt auf die vorhandenen Kräfte - Bewegung, Mut, Durchhaltewillen, Kraft und reelle Visionen.
Leitsatz 7
Die Demeter-Partner erklären, dass sie eine Entwicklung in der angestrebten Art für notwendig halten und dass sie sich aktiv daran beteiligen wollen. Sie geben jährlich einen Bericht über die Weiterentwicklung dieser Zusammenarbeit.


Austausch von Erfahrungen vermittelt Anregungen. Der jährliche Rückblick geht nicht nur nach innen, zum eigenen Tun, sondern auch nach aussen, zu den Bedürfnissen der Mitarbeitenden und der Kunden. So ergibt sich unter den Partnern ein wertvoller, anregender und motivierender Austausch.